Immer wieder macht man mir zum Vorwurf, dass ich so unsensibel sei. Klar, bin ja auch ein Mann, habe auch schon oft erklärt, wie wir Männer ticken, doch immer wieder meinen Frauen, sie können uns umpolen, was sie bei Einigen schaffen, doch die wollen sie dann nicht mehr.
Aber ganz ehrlich, ich habe es immer wieder versucht. Doch egal, was ich auch anstellte, ich trat immer in ein Fettnäpfchen, rannte gegen eine Mauer, beleidigte oder verletzte.
Ist es dann ein Wunder, dass ich mich mit Gesinnungsgenossen in der Kneipe treffe und wir über das wahre Leben reden?
Gestern erst war ich mit der Herzallerliebsten in einem Möbelgeschäft, unsere Sofas wären endgültig hin, hatte sie beschlossen und …sie hatte mich gebeten, mitzukommen. Ich meinte, sie könne das doch gut alleine, doch sie bestand darauf.
„Du musst schon mitentscheiden, denn schließlich sollst du dich auch wohlfühlen!“
So ein Glück, mir gefiel gleich das Erste, graugestreift, eine super Sitztiefe, was mir einen entspannten Mittagsschlaf garantierte, dazu gehörig ein etwas kürzeres Sofa, ideal für die bessere Hälfte. Passende Sessel gab es auch in verschiedenen Ausführungen.
„Ach nee, grauuuuu, nee, wirklich nicht!“
Und schon steuerte sie auf ein stocksteifes Ledersofa zu. Schneeweiß! Ja wirklich, weiß mit einem, wie der Verkäufer betonte, dezenten Golddekor!
„ Ja, die macht doch was her! Wenn ich dann die Übergardinen ändere und den Teppich austausche…Setz dich doch mal, das ist schön fest!“
Setzen konnte ich mich nicht wirklich, denn es hatte Bodennähe, ich fiel also mit meinen 1m 90 in den Abgrund, wurde jäh gestoppt von einem Brett!
„Au, ist das hart!“
„Ach Schatz, das ist gut für die Wirbelsäule.“
Bei dem verzweifelten Versuch, meine Beine zu sortieren, renkte ich mir fast die Wirbelsäule aus, ging dann vor dem Sofa auf die Knie, um mich so erheben zu können. War ich froh, als ich wieder stand.
„Nein, vergiss es!“ Ich verließ sehr bestimmt den Ort des Grauens und wandte mich der Rundecke zu, die einladend in einem pflegeleichten Schwarz …weiter kam ich nicht, denn…
“Schaaatz, sieh hier, die ist es, oh, ist die nicht herrlich!?“
Mir stockte der Atem, denn das, was da vor ihr stand signalisierte mir Anbau, Umbau, komplettes Renovieren, Schränke raus… Überdimensional mit plüschigem Rosenbezug und weißen Bommelkissen, goldgefasste weiße Armlehnenden…
„Was ist los mit dir, leidest du an Geschmacksverirrung?“
„Du bist so gemein, die sieht so wunderschön aus!“
„Und worauf wollen wir sitzen? Da habe ich ja schon Angst, sie überhaupt anzufassen!“
„Man kann sich ja ein wenig vorsehen!“
Da war er, der schnippische Ton, der mir deutlich machte, dass ich keine Wohnkultur besitze. Also ging ich erst mal alleine weiter, während sie noch mal und noch einmal seufzend über die Lehnen des barocken Ungetüms streichelte.
Und so besetzten wir nach und nach alle Sofas in dem Riesenladen.
Soll ich euch etwas sagen?
Ich liege hier zu Hause auf dem Sofa und schreibe, krümele mit den leckeren Schokokeksen und freue mich an der Gemütlichkeit, ja richtig, ihr habt es erraten, an der Gemütlichkeit unseres alten Sofas. Allerdings hat es einen kleinen Haken, es steht jetzt in meinem Büro, sie hat das weiße Ledersofa mit Goldmuster durchgesetzt und ich freue mich, wenn unsere Besucher, sich aus den Tiefen hervor quälend, stöhnend zum Stehen kommen.
„Du bist gemein“, zischt sie mir dann zu, wenn ich grinsend aus meinem passenden Lehnsessel, den ich mir allerdings mit höheren Beinen liefern ließ, aufstehe.